Single

Schulungsteilnehmer/-innen

Teilnehmerin und Trainerin bei der Qualifizierung zum KNIK-Coach.

Startschuss für den Pilotversuch

Wohl dem Schüler, der es ohne großen Aufwand schafft, flächendeckend gute Noten zu bekommen. Jeden Tag ist neue Selbstbestätigung in Sicht. Viele andere jedoch machen die Erfahrung schlechter zu sein als andere, nicht gut genug zu sein für eine angestrebte Note. Die Folgen sind oft Frustration, Selbstwertverlust, Resignation, ... und noch schlechter bewertete Leistungsnachweise. Ein Teufelskreis.

Ich will keine bildungspolitische Debatte über die Abschaffung von Noten führen. Ich bin nicht einmal überzeugt, dass das die Lösung wäre.

Aber ich bin überzeugt, dass es einen Ausgleich geben muss. Schüler müssen aufgezeigt bekommen, worin sie gut sind. Nicht auf einer Skala von eins bis zehn. Es geht um die uneingeschränkte Würdigung erfolgreichen Handelns in bestimmten Situationen, mit dem sie sich selbst oder eine Gemeinschaft vorangebracht haben.

Im schulischen Bildungssystem ist  hierfür kaum Platz. Lehrpläne müssen erfüllt, Wissen vermittelt, dessen Wiedergabe durch den Schüler bewertet und eingeordnet werden.

Auf der anderen Seite wächst die Forderung des Arbeitsmarktes nach sozialen, Selbst- und Methodenkompetenzen. Wissen, das gestern vermittelt wurde, kann in dieser schnelllebigen Welt schon morgen überholt sein. Nur wer auch gelernt hat, wie man sich selbständig neues Wissen aneignet, wer offen ist für Neues, wer genug Ausdauer mitbringt, neue Dinge zu lernen, .... wird auf Dauer bestehen können. Über diese Kompetenzen geben Zeugnisse keine Auskunft.

Wenn Schule sich diesen Anforderungen – und sei es im Rahmen außercurricularer Angebote - stellen will, muss sie umdenken: weg von der Defizit- hin zur Stärkenorientierung. Anstelle von „Was fehlte dem Schüler bzw. seinem Verhalten an der vom Bildungssystem gesetzten Norm?“ hin zu „Inwiefern war das vom Schüler gezeigte Verhalten in der konkreten Situation hilfreich für die Lösung der anstehenden Aufgabe?“

Mit diesen Fragestellungen haben sich am 14. und 15. März 14 Lehrer aus 7 IKUS-Schulen aus Nordrhein Westfalen im Rahmen eines ganz besonderen Workshops beschäftigt. Es ging um die Einführung in den Kompetenznachweis Interkulturell (KNIK). Der KNIK basiert auf dem Kompetenznachweis International (KNI), der wiederum aus dem Kompetenznachweis Kultur (KNK) erwachsen ist. Eine interessante Symbiose: aus Kultur und International wird interkulturell.

Was alle drei Nachweise vereint, sind die Verfahrensschritte für ihre Vergabe. Was sie unterscheidet, ist das Setting, in dem sie vergeben werden können. Der KNK wird im Rahmen kultureller Projekte vergeben. Für den KNI braucht es eine internationale Begegnung, in der interkulturelles Lernen angeregt wird. Beide Nachweise sind erprobt und genießen Wertschätzung: bei denjenigen, für die sie ausgestellt werden, bei denjenigen, die sie ausstellen und bei denjenigen, die sie als Bestandteil von Personalunterlagen vorgelegt bekommen.

Der KNIK kann in außercurricularen schulischen Angeboten eingesetzt werden, die von Schülern nach eigenen Stärken und Interessen ausgewählt und freiwillig wahrgenommen werden.

Der KNIK ist ein Modell innerhalb des Bundesmodellprojekts „Interkulturelles Lernfeld Schule“ (IKUS), welches Schulen mit Partnern aus der Internationalen Jugendarbeit zusammenbringt. Ziel ist die bewusste Gestaltung interkultureller Lernprozesse in Schulen mit einem hohen Anteil von Kindern mit unterschiedlichen kulturellen Hintergründen.

Mit dem KNIK wird IKUS zusätzlich bereichert. Das war nicht geplant. Das musste auch erstritten werden. Und das wird nun erprobt.

Mit dem KNIK haben auch Schüler, die an internationalen Maßnahmen nicht teilnehmen (können) die Chance, zu zeigen, „was sie drauf haben“. Und sie erweitern mit dem positiven Feedback ihr Handlungsrepertoire und damit ihre Lebenskompetenz.

Text: Ines Gast, Jugendsozialwerk Nordhausen e.V. (www.jugendsozialwerk.de)