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Kompetenznachweis Interkulturell?

Seit Bestehen des Kompetenznachweises International (KNI), gibt es den Wunsch, ihn auch im Rahmen von nationalen Projekten mit Teilnehmenden aus verschiedenen Kulturen anzuwenden. Die Nachweise International und das Projekt IKUS starten nun den Pilotversuch. Der Bedarf resultiert aus der Vielfalt von nationalen Projekten, die Menschen unterschiedlicher Kulturen vereinen und die Projektteilnehmer damit - über die inhaltliche Arbeit an einem gemeinsamen Thema hinaus - vor ganz spezifische Herausforderungen stellen. Die Leistungen, die hierbei im Interesse eines Projekterfolgs von den Teilnehmenden erbracht werden, sind sehr häufig ein Indiz für deren interkulturelle Kompetenzen und verdienen es als solche analog dem KNI zertifiziert zu werden. Leider besteht diese Option bislang nicht, da der KNI eindeutig an Formate internationaler Jugendarbeit gebunden ist.

Als beim Vernetzungstreffen der Trainer/-innen und Coachs des KNI Anfang Dezember 2010 erneut der Wunsch nach dieser Zertifizierung formuliert wurde, konnte erstmals - trotz der klaren Regelungen – Hoffnung auf einen solchen Nachweis gemacht werden. Im Rahmen des Projektes IKUS „Interkulturelles Lernfeld Schule- Kooperationsprojekt von Internationaler Jugendarbeit und Schule“ (www.ikus-projekt.de) soll es pilothaft einen Kompetenznachweis Interkulturell geben. Sozusagen ein Modell im Modell.

(Nicht nur) der demographische Wandel beschert uns verstärkte Bemühungen um die berufliche Integration von Menschen mit Migrationshintergrund sowie um eine kluge Zuwanderungspolitik, um ausländische Fachkräfte nach Deutschland zu holen. Damit sich jeder in dieser sich wandelnden Gesellschaft wohlfühlen kann, sind vielschichtige Anstrengungen notwendig, damit wir kulturelle Vielfalt und Integration als Bereicherung erleben können. Endlich setzt sich auch auf breiterer Ebene die Einsicht durch, dass wir damit in Kindergarten und Schule beginnen müssen. Einige aktuell neu ausgeschriebene Programme des Bundes belegen dies.

IKUS

Das Bundesmodellprojekt IKUS widmet sich diesem Thema bereits seit einem reichlichen Jahr. Es will im Regierungsbezirk Köln/Bonn, wo schon seit vielen Jahren der Anteil von Schülern mit Migrationshintergrund hoch ist, Schulen, Lehrer und Eltern besser auf diese Herausforderung vorbereiten. Unterstützt werden die Schulen dabei von Partnern aus der Internationalen Jugendarbeit. Die gemeinsam entwickelten Module stellen die Förderung interkultureller Kompetenzen in den Mittelpunkt. Das passiert nicht nur im Kontext internationaler Jugendbegegnungen, sondern auch  in multikulturellen Settings mit Schüler/-innen aus unterschiedlichen Herkunftsländern. Fast zwangsläufig kam daher auch in IKUS von einem Projektpartner der Internationalen Jugendarbeit, der selbst den KNI anwendet, die Anregung, dieses Instrument für einen Einsatz in multikulturellen nationalen Projekten anzupassen. Das JugendSozialwerk Nordhausen (JSW NH) hat diese mutige Vorreiterrolle übernommen und stellt seine Erfahrung und sein Know-how den anderen Partner(inne)n aus Schule und Internationaler Jugendarbeit im Rahmen von IKUS zur Verfügung.

Die notwendigen Gespräche mit den verantwortlichen Steuergruppen, IJAB und dem Bundesministerium für Familie, Senioren, Frauen und Jugend (BMFSFJ) liefen über einen Zeitraum von einigen Monaten. Die Diskussionen verliefen erwartungsgemäß kontrovers, aber durchaus fruchtbar. Zum Ende des Jahres 2010 wurde dann ein klares Signal gesetzt: Im Rahmen von IKUS wird das Kompetenznachweisverfahren als Kompetenznachweis Interkulturell erprobt. Im März 2011 sollen die ersten Tandems - Partner/-innen aus Schule und Trägern internationaler Jugendarbeit - als Coachs für die  Anwendung der Kompetenznachweise Interkulturell qualifiziert werden. In den darauf folgenden Monaten werden sie in ihren Modulen das Nachweisverfahren anwenden und im Herbst 2011 ihre Erfahrungen in einem Kolloquium auswerten.

Die Ergebnisse der wissenschaftlichen Begleitung und die Erfahrungen aus diesem Modellversuch werden die Basis bilden für die weitere Debatte und die Entscheidung, ob der neue Kompetenznachweis Interkulturell endgültig Einzug halten darf in die Landschaft der Internationalen Jugendarbeit und in multikulturelle Schulen.